ersterschritt

 Jeden Morgen mache ich den gleichen, verdammten Fehler. Ich geh ins Bad und da ist sie, der Feind der meisten Frauen, die Waage. Natürlich stell ich mich drauf, in der Hoffnung es könnten ja wieder 200 g verschwunden sein, doch dann der Schock am frühen Morgen, sogar mehr als gestern.

Nach einer sowieso schon scheiss Nacht mit etlichen Alpträumen der Kinder und wenig Schlaf, stell ich mir die Frage: Wie kann ich nur so dumm sein und jeden morgen den selben Fehler machen, der mich vor Aufregung schon wieder ein Lebensjahr kostet? So damit war der Tag eigentlich schon vorbei. Angefressen von der Zahl, hätte ich mich so eigenltich schon wieder ins Bett legen können. Doch der Alltag beginnt und ich schleppe meine schlechte Laune so durch den Tag.

Warum kann einem eine Zahl so die Stimmung verhageln? Warum fällt es uns so verdammt schwer uns zu akzeptieren? Ist euch schon mal aufgefallen das in jedem Frauenmagazin auf dem Cover ein Artikel zum abnehmen angekündigt wird?

Seit ich denken kann führe ich den Kampf mit den Kilos! Sobald ich Pommes nur ansehe bin ich 2 Kilo schwerer. Schon vor den Schwangerschaften hatte ich ständige auf und abs.

Mein Spiegelbild zeigt mir nicht wirklich was ich gerne sehen würde. Und ja mir ist bewusst ich habe 3 wundervolle gesunde Kinder dafür bekommen, doch muss ich mich jetzt damit abfinden?

Gleich nach der Geburt meines dritten Sohnes wusste ich es muss sich etwas ändern. Ich fühlte mich schon in der Schwangerschaft echt furchtbar.

Jede Bewegung war für mich ein Grauen. Bei jedem Schritt tat mir der Rücken weh, weil dieser mein Gewicht einfach nimmer aufrecht halten konnte. Vom Bett aufstehen war echt sehr schwierig, das war eher eine Rolle mit Schwung in der Hoffnung auf den Füßen zu landen.Von Treppen steigen will ich gar nicht reden. Da überlegt man sich jeden Schritt. Plötzlich tauchen so viele Fragen auf: Braucht man die Hose aus dem Wäschekeller wirklich? Trinkt man nicht lieber nen Tee anstatt Wasser aus dem Keller? Da bekommt das Lied „Atemlos“ von Helene Fischer plötzlich nen ganz anderen Text.

Natürlich ich war schwanger doch war es nicht nur das. Ich war vorher schon alles andere als fit. Vor der Schwangerschaft fühlte ich mich schon gar nicht mehr wohl.

Ich habe bestimmt 40 Jeans in 5 verschiedenen Größen in meinem Schrank und soll ich euch was sagen, es passen nicht viele davon. Es ist frustrierend. Jeder Blick in den Spiegel und jeder Blick in den Schrank.

 Ich weiß das ist nicht alles, doch ist es nicht ein wichtiger Bestandteil seines Lebens sich im Körper wohlzufühlen? Natürlich ich bin über 30 und ich werde auch nie eine Heidi Klum sein, doch zumindest sollte ich mich gut fühlen?

Doch warum ist es so schwierig mit all den Guten Vorsätzen die ich habe? Früher nach meinem Ältesten habe ich schon mal 40 Kilo abgenommen und soll ich euch was sagen, es war noch nie so leicht.

 Ich fühlte mich schrecklich unwohl und das gab mir den Ansporn etwas zu ändern. Auch weil ich wollte das mein Sohn gesund ist, ging es dann quasi von selbst. Ich kochte gesund, war viel mit dem Kinderwagen unterwegs und machte zusätzlich noch viel Sport. Ich war oft Stunden mit dem Wagen unterwegs und danach noch joggen im Wald. Es ging super schnell und das ohne sehr viel zu verzichten. Es fühlte sich prima an. Ich fühlte mich prima, gesund und super sexy! An meinem Spiegel hängt heute noch das Bild vom Urlaub damals das ich am Strand im Bikini gemacht habe. Das schau ich ständig an und denke mir „Wahnsinn! Sahst du da gut aus!“

Dann kam eine Lebensphase die eher schwierig für mich war. Die Trennung, Vollzeitarbeit als Alleinerziehende Mama und ein Lehrgang der mich echt ausgelaugt hat. Ruck zuck hatte ich mir die Kilos wieder angefressen und glaubt mir, es waren nicht wenig. Mein jetziger Mann kochte voller Leidenschaft und es war einfach brutal lecker. Dennoch, bei jedem Blick in den Spiegel war ich voll frustriert, doch ich hatte einfach nicht die Energie daran etwas zu ändern. Mein Schatz liebte mich genauso wie ich war und das machte es nicht leichter den Hintern zu bewegen. Es war bequem, es war gemütlich.

Bei der 2. Schwangerschaft waren es dann noch 18 Kilo mehr, wovon ich aber schon 12 verloren hatte als ich vom Krankenhaus heimkam. Danach hatte ich leider nicht die Motivation wie bei Paul und ich ließ es schleifen. So verging die Zeit und da wir noch einen 3. Zwerg wollten hatte sich die Sache Abnehmen für mich entspannter Weise erledigt. Denn ich fragte mich wofür wenn ich sowieso bald wieder kugelrund bin.

Bei Zwerg Nummer drei, waren es auch nur 15 Kilo und ja es war ganz schnell wieder weg doch leider ist noch der Rest von dem da, das ich mir angefressen habe und seit mein Zwerg 8 Wochen ist und die Narbe vom Kaiserschnitt verheilt ist, gehe ich eifrig und voller Elan ins Fitnessstudio und es wird.Sportlich bin ich gut dabei doch obwohl ich gesund koche, fehlt noch ein Funken Disziplin, der im Trubel des Alltags einfach verloren geht. Ingwer, Chili, Wasser und Co. reichen dann einfach nicht aus, wenn da ein Stück Kuchen steht und dort ein Donut der Jungs übrig bleibt. Der Cosmopoliton, die Rote Bowle oder das Käse-Speck-Zupfbrot sind oft einfach stärker. Doch ich denke der Wille zählt. Irgendwann wird trotz dieser Kleinen Sünden der Wille siegen.

Ich fühle mich besser!! Allein schon das Körpergefühl ist ganz anders auch wenn sich auf der Waage noch nicht wirklich viel getan hat, 10 Kilo in 12 Wochen ist ganz ok.

Ja Abnehmen dauert ne Weile und langsam ist auch für mich besser, da ich so einfach nicht den Verzicht habe und auch den beliebten JoJo-Effekt vermeiden möchte.

Mein Körper hat sich verändert, es ist stramm und fest und ich kann sagen es fühlt sich gut an! Wenn der Anfang gemacht ist kommt Elan und die Motivation von allein! Nach jedem Training merke ich wie gut es mir tut, sei es mental oder körperlich! Nach jedem Training kommt auch die Motivation der Ernährung noch den letzten Schliff zu verpassen.

Es gibt ein Bild von mir aus den schlanken Zeiten und das hängt bei mir am Spiegel. Immer wenn ich mal nicht so motiviert bin, schaue ich das Bild an und plötzlich kommt der Elan!! Nun bin ich dabei das Beste aus mir rauszuholen. Natürlich gibt es Rückschläge und auch Phasen in denen Training einfach kein Spaß macht aber ich denke das ist normal. Es sollte Spaß machen und wenn nicht dann gönne ich mir eine Pause, denn dann bringt es auch nichts.

Es ist noch ein harter Weg, dennoch beginnt jeder Harte Weg mit dem ersten Schritt. Dem Schritt der einen die meiste Überwindung kostet. Doch wenn dieser getan ist, wird es von Tag zu Tag besser!

derunterschiedkilo